Autor: Eric Holst

Welchen Börsen kann ich vertrauen?

Sind Crypto Börsen safu?

Im nun längsten „Krypto-Winter“ seit der Entstehung des Marktes gehören die Gründer von Kryptobörsen zu jenen, welche am meisten ins Schwitzen kommen.

Seitdem bekannt wurde, dass die ehemals zweitgrößte Kryptobörse FTX nicht nur mit Kundengeldern die riskanten Wetten seines Hedgefonds Alameda querfinanzierte, sondern zudem keine Bitcoins auf das Guthaben seiner Kunden vorhielt, sondern diese lediglich in der Buchhaltung vermerkte, ist das Vertrauen von Geschäftskunden und Privatanlegern in Börsen auf einem Tiefpunkt.

Als einzige öffentliche Börse musste Coinbase bekannt geben, dass das Geschäft im Vergleich zum Vorjahr um 50% eingebrochen ist. Was zusätzlich deren Aktienpreis um 28% drückte, welcher bereits im letzten Jahr um 85% gefallen war.

Doch vor allem der Marktführer Binance, zehnmal größer als der nächste Konkurrent, welcher zudem den drittgrößte Stablecoin geschaffen hat, bekommt die Hysterie am Kryptomarkt an mehreren Fronten zu spüren. Obwohl CEO CZ mehrfach sein Catch-phrase “Funds are safu” auf Twitter, in Pressemitteilungen und auf Finanzmedien wiederholte.

Obwohl die Kryptobörse versuchte die Unsicherheit ihrer Kunden mit dem Beweis ihrer Solvenz mit einem „Proof-of-Reserves“ („PoR“) zu beruhigen.

Um die Sicherheit der Kundengelder zu garantieren, veröffentlichte Binance und Mitbewerber in den Tagen nach dem Bankrott von FTX Listen ihrer Wallets, in denen verschiedene Kryptowährungen gelagert wurden, und alle Welt über die unveränderliche Blockchain sich ein eigenes Bild machen konnte.

Doch dieser Schritt brachte für Binance neue Probleme, welche Krypto-Anleger weiterhin skeptisch machte.

Einerseits gibt es keine einheitliche Definition von PoR , zudem bemängeln bekannte Kritiker wie Vitalik Buterin, dass es nicht nur reicht „Guthaben“ zu beweisen. Stattdessen sollten Kryptobörsen auch die dem Guthaben gegenüberstehenden Verbindlichkeiten angeben, um eine tatsächliche Liquidität für alle Kunden und Kreditgeber zu beweisen.

Stimmen auf Krypto-Twitter bemängeln weiter, dass diese PoR lediglich eine Momentaufnahme waren, die jedoch nicht die vorherigen und nachfolgenden Transaktionsbewegungen berücksichtigten.

Daher nehmen diese Kritiker an, dass die Krypto-Beträge nur für einen kurzen Moment auf wenigen Wallets gehortet wurde, um mit einer Momentaufnahme die Solvenz zu beweisen. Diese Beträge könnten jedoch nur geliehen sein, um diese dann wieder weiterzureichen. Entweder an Kreditgebern oder an andere Börsen, welche mit einem ähnlichen Schritt ihre Kunden beruhigen wollten.

Zwischenzeitlich reagierte Binance und argumentierte, dass diese Kontenbewegung mit dem Transfer von sicheren Cold-Storage auf Hot-Storage Wallets zusammenhing, um der Marktnachfrage gerecht zu werden. Weiterhin bemüht sich Binance um unabhängige Audits.

Dennoch entbrannte ein Wettkampf unter den größten Börsen darin, wie Kraken, Coinbase, Crypto.com und Binance darüber, welchen Grad an Transparenz sie beweisen könnten. Ganz getreu dem Motto „Don’t trust – verify.“

Binance, gelassen unter Druck

Neben den skeptischen und verunsicherten Kunden dienen die veröffentlichten Wallets für Blockchain-Analytics Firmen eine Grundlage, um die Vertrauenswürdigkeit von Kryptobörsen weiter zu bezweifeln.

Ein Bericht der Blockchain-Wirtschaftsprüfers Mazar bemängelte die Qualität der internen Kontrollen bei Binance, wie Margin-Kredite liquidiert werden und fehlende Informationen über die Unternehmensstruktur von Binance.

Massen von Binance-Kunden reagierte verunsichert auf diese Bekanntmachung, mit der Folge, dass in der letzten Woche bereits $3 Milliarden von Binance abgezogen wurden.

Scheinbar ist nichts überzeugender als ein „Proof of withdrawal“, welcher Kunden beweist, ob ihre Gelder tatsächlich existieren und bei ihnen am sichersten sind.

CZ, Binance CEO, reagierte gelassen auf die Kritik und begrüßte, diesen Stresstest als eine willkommene Herausforderung.

Regulierer treten nach

Schneller als erwartet folgten auf CZs Worte die zusätzlich Belastung durch den zur Unzeit kommende Artikel von Reuters, welche die bereits seit 2018 bestehenden Untersuchungen der U.S. Börsenaufsichtsbehörde und Justizministerium gegenüber Binance behandelte. Binance wird dabei unterstellt, Geldwäsche, Steuervermeidung und Umgehung von Sanktionen zu betreiben. Allerdings hat die vierjährige Untersuchung zu keinerlei konkreten Anklagen geführt.

Dazu hat Binance mittlerweile ebenfalls Stellung genommen und in einem Blog entgegnet, dass sie die renommiertesten Cyber-Kriminalitäts-Spezialisten beschäftigt, um sicherzustellen, dass Binance kein sicherer Hafen für illegale Aktivitäten ist.

Um weitere Beruhigung und Transparenz zu beweisen, konnten sich Nutzer von Binance bei einem spontanen Ask-me-Anything auf Twitter mit Fragen wenden.

U.S.-basierte Kryptobörsen begrüßen die harte Herangehensweise gegenüber Binance, welche in deren Augen zu viel Macht konzentriert. Denn abgesehen davon, das Binance die größte Börse ist, gehören zwei der zehn größten Coins zu Binance. Der Blockchain-Token BNB und Binance USD summieren eine Marktkapitalisierung von $62 Mrd.

Aus Sicht von Kraken CEO Jesse Powel ist es nur fair, wenn Binance ähnlich streng untersucht wird, wie die US-amerikanischen Börsen, welche im Gegensatz zu ausländischen Börsen viele Ressourcen verwendeten, um Anforderungen von Behörden und Regulierung zu erfüllen. 

Ein Wettbewerb auf einem angeglichenen Spielfeld bietet zudem ein geringeres systemisches Risiko für den Kryptomarkt, wie das Beispiel von FTX zeigt, die unter der laxen Regulierung von Bahamas ihr betrügerisches Geschäft ausbauen konnten. So konnte man nicht kriminellen Marktakteuren zuvorzukommen, bevor diese mit ihrem Fall den gesamten Markt und öffentliche Wahrnehmung mit in den Abgrund riss.

Vertraue nur dir selbst

In turbulenten Zeiten ist es wichtig, sich auf die Sachen zu fokussieren, welche man unter Kontrolle hat und zu den Grundprinzipien von Krypto zurückzukehren.

Jemand, der diese Prinzipien am verständlichsten erklären kann, ist der langjährige Bitcoin-Botschafter Andreas Antonopoulos („AA“), welcher am überzeugendsten das „Not your Keys, not your coins“-Mantra öffentlich predigte. Die Relevanz dieses Prinzips machte leider erst das FTX-Debakel wieder offensichtlich. Wobei im Monat vor FTX Insolvenz allein 75,294 BTC von Börsen entnommen wurden.

Ein weiteres Grundprinzip, ebenfalls von AA geprägt, sollte sein, dass man Kryptobörsen wie öffentliche Toiletten benutzt.

Man erledigt dort sein Geschäft und verlässt den Ort direkt. Man macht dort keine Party, lässt dort keine wichtigen Dinge zurück oder nutzt das Klo, um mit jemand anderem ein Krypto-Kredit zu verleihen oder selbst anzunehmen. Die dezentrale Technologie bietet sicherere Wege, auch wenn diese Selbstverantwortung erfordert.

Ja, ständig skeptisch, vorsichtig, sich das nötige Wissen rund um Cybersecurity und Selbstverwahrung beizubringen ist mit gewissen Anstrengungen verbunden, aber nötig, um die Vorteile der dezentralen Blockchain-Welt zu nutzen.

Denn selbst in dem Szenario, wenn nur noch regulierte und etablierte Börsen mit kompetenten Mitarbeiten und hohen Standards bestehen, ist mit deren Nutzung ein Risiko verbunden, welches höher ist, als die anfängliche Unsicherheit mit einer Hardware Wallet umzugehen.

Die Gewinner der Angst

Zu den Gewinnern der Verunsicherung sollten eigentlich dezentrale Börsen gehören, da diese keine Kryptowährungen für Kunden verwahren. Doch deren Marktkapitalisierung stagniert weiter auf niedrigen Niveau.

https://www.defichain-analytics.com/general?entr

Ein Schritt, bevor DeFi wieder an Auffahrt gewinnt, ist für Millionen Kryptoinvestoren überhaupt Selbstverwahrungslösungen zu erwerben.

Daher gehören insbesondere Anbieter von Cold-Storage und Hardware-Wallet zu den Profiteuren: Ledger, CoolBitX, Coinkite und Trezor sind hierbei die beliebtesten Lösungen.diesen Stresstest als eine willkommene Herausforderung.

Speziell der französische Marktführer Ledger sah in der Woche nach dem Betrug von FTX Verkaufszahlen, welche alle Rekorde in der Unternehmensgeschichte brach.

Ledger ist hierbei besonders gut für den bleibenden Trend von Selbstverwahrung aufgestellt. Denn zur rechten Zeit brachte der von Apple abgeworbene iPod Designer Tony Fadell sein neustes Werk zum Vorschein: eine elegante neue Wallet, im Anschein eines e-Readers.

Nicht nur bricht das Design mit dem Anschein eines USB-Sticks, wie Wallet zuvor entwickelt wurden, zudem können auch erstmalig NFTs ein sicheres zu Hause finden und auch angezeigt werden.

Unabdingbar für die Zukunft: Selbstverantwortung und Nutzerfreundlichkeit

Der Kryptomarkt ist zwar volatil, doch auch anti fragil. Mit jedem neuen Desaster, Hack und Enthüllung lernt die Branche und ihre Kunden dazu, die Risiken zu umschiffen.

Als 2014 die damals größte Kryptobörse Mt. Gox gehackt wurde, rief dies eine neue Generation von Börsen-Gründern auf den Plan, bessere und sicherere Orte für Kryptohandel zu schaffen.

2022 schaffte neue Lektionen, um die Branche krisensicherer zu machen: einerseits die nötige Transparenz und Regulierung von zentralen Börsen, jedoch nicht nur auf Druck von Behörden, sondern auch durch Kunden.

Sowie die Selbstverantwortung von allen Krypto-Investoren, denen es die Hardware-Wallet Anbieter zuvor nicht attraktiv und leicht genug machten, den Wechsel zur Selbstverwahrung vorzunehmen.

Es bleibt der Leitsatz, dass die Branche neue und diverse Köpfe gewinnen muss, um mit der Kompetenz von etablierten Banken und dem Blick auf Nutzerbedürfnisse von Designern, stetig die Nutzbarkeit und Sicherheit ihrer Produkte und Services zu verbessern.

Zusammengefasst: Schaut euch über die Weihnachtstage die Videos von AA an und schreibt euch eine Hardware-Wallet auf den Wunschzettel. Damit ihr von Anfang an für eure Blockchance-Reise bestens vorbereitet seid.

Spread the love