Author: Eric Holst

Vielleicht ist es dir auch mal passiert. Kurz vor dem Einschlafen kommt ein Gedanke, der dich wach hält: „Verdammt! Hätte ich doch bloß vor einem/fünf/zehn Jahren schon in XYZ investiert. Dann hätte ich das 10/100/1000-fache gemacht!“

Fear of Missing out kennen wir alle. Doch dieser „Hätte ich doch …“-Gedanke ist die Reue, nicht schon früher gehandelt zu haben und sie kann schwer wiegen. Dieses Gefühl kommt vor allem auf, wenn man sich, erst viele Jahre später, das Video vom Youtuber Davinji aus 2013 anschaut, als er den Ratschlag gibt „Just invest one 1$ into Bitcoin.“ Am 09.05.2013, dem Upload Tag von dem Video, lag Bitcoin bei 113$.

++Aus persönlicher Erfahrung kann ich erzählen, dass dieses Gefühl ein Antreiber zu unüberlegten Handlungen und kein guter Ratgeber ist.++

Man kann nun überlegen, was man 2013 gemacht und wie das Leben verlaufen wäre, wenn man doch auf diesen Rat gestoßen und auch gefolgt hätte. Haben wir aber nicht.

So kann es sein, dass man jetzt überkompensiert und sich vornimmt, alles übers Trading zu lernen. Um doch noch, verspätet, zum unglaublichen Reichtum zu kommen, weil es scheinbar schon andere geschafft haben.

Oder man nimmt den Weg zum Investieren. Dazu steckt man einen Betrag, den man verlieren kann, in gleich große Häufchen in verschiedene aussichtsreichste Projekte, mit der Absicht über Jahre hinweg investiert zu bleiben und lediglich bei guten Entwicklungen der Projekte etwas nach zu investieren.

Risiko vs. Belohnungen – was passt zu Dir?

Trader und Investoren verhalten sich wie Hase und Schildkröte beim Wettrennen, mit der finanziellen Freiheit als Ziel. Um herauszufinden, welches Rennen für einen ist, kann man sich die „Zeitpräferenz“-Frage stellen.

Die Frage ist simpel: Willst du schon morgen “reich” sein und nimmst dafür aber auch die Konsequenzen in Kauf? Oder bist du geduldig und dir reicht es, wenn du in 10 Jahren ans Ziel kommst? 

Vielleicht ist es für dich besser, ein entspanntes Leben zu führen und regelmäßig deine Satoshis zu sammeln, oder du siehst gerade jetzt die einmalige Chance, dein Kapital zu vervielfachen.

Wichtig ist es, die Denkfehler zu erkennen, für die jeder Mensch anfällig ist. Insbesondere die Tendenz, nur die vermögenden Menschen zu sehen, welche „es geschafft haben“, beziehungsweise „überlebt haben“. Dafür aber nicht diejenigen, die sich bei dem Versuch finanziell ruiniert haben.

Was kostet welcher Lifestyle?

Ein weiterer Denkfehler kommt auf, wenn man nach Trader-Vorbildern im Internet sucht. Denn es finden sich genug Youtuber, die ihren gesamten Erfolg dramatischen Thumbnails und nichts-sagenden Video-Titeln verdanken, sowie ihren Chart-Analysen, in denen sie mit  energetischer Stimme erklären und irgendwelche zukünftigen Wertsteigerungen vorhersagen.

Ob ihr Lifestyle dem Trading zu verdanken ist, der ihre Filmproduktion zur Selbstinszenierung nach Dubai ziehen lässt, um dann dort vor teuren Sportwagen und surrealen Skylines zu posieren, ist fraglich. Auch die Promotion von Trading-Börsen kann solch eine Show finanzieren.

Wer sich als Day, Intra-Day oder Swing-Trader versucht, braucht Erfahrung, die ebenfalls Lerngeduld braucht, bis sich die Lektionen in Erfolge übertragen. Ob dann jedoch der geglückte Trade den Fähigkeiten bei der Chartanalyse verdankt oder dem zufälligen glücklichen Timing des Marktes, kann nicht ganz genau zugeschrieben werden.

Bei der Lernkurve können einige wenige Youtuber durchaus weiterhelfen, die neben Sponsoring auch Tradingkurse, exklusive Preissignal-Gruppen und individuelle Coachings anbieten.

Wer nach einer ausreichenden Lernkurve das Trading geübt hat, kann Indikatoren identifizieren und mögliche Marktentwicklungen erkennen. Gekaufte Lizenzen nützlicher Tools und die Trennung wichtiger Informationen vom Lärm im Netz sind Grundvoraussetzung, um als Trader erfolgreich zu sein. 

 Der schnellste Weg alles zu verlieren

Auch wenn Krypto-Trading für Insider sehr anspruchsvoll ist, so erinnert es für Außenstehende durchaus an ein Casino-Spiel. Trader können trotz der nötigen Fähigkeiten auch ehrlich und offen den zugeben, dass Spekulation ein hoher Anteil für die Volatilität ist und Glück Teil des Erfolgs. Auch wenn es durchaus einen langfristigen und fundamentalen Mehrwert an den grundlegenden Trends der Technologie gibt.

Doch aus persönlicher Sicht will ich vor einer Sache warnen: Hebel setzen. Die meisten Börsen locken vor allem mit solchen Funktionen, um mit Verdoppelungen und geliehenem Kapital sein Glück auszureizen. Geld kann man vervielfacht werden, doch man kann es nur einmal verlieren. Ein Bewusstsein für Risiko oder Beträge, die man verschmerzen kann, gehören zu den Fähigkeiten von Trader, die gewappnet sein wollen, um auch den nächsten Marktzyklus zu überleben.

Wer etwas zu tief in das weitverzweigte Krypto-Universum eingetaucht ist und sich ungern seine Obsession eingestehen oder besorgten Freunden aus dem Weg geht, dann kann eine Krypto-Sucht dahinterliegen. Institute, die bereits Hilfestellung bei Online-Sucht bieten, haben Selbsttests entwickelt, um Trading-Sucht festzustellen und um Wege heraus zu bieten.

Die vielen (Um-) wege Investor zu werden

Zu Investoren werden diejenigen, die ihr Glück mit Krypto ausprobieren wollen, einfach zu wenig Zeit haben, um Trader zu sein, die Überzeugungstäter, die einfach „hodln“ und „stacken“ (d.h. ihr Investment halten und weiter anhäufen) und ehemalige Trader. 

Die letzteren haben ihr Glück am Markt versucht, aber sind nun mit ihren Käufen im Minus und dazu gezwungen, bis zum nächsten Bullenmarkt zu warten, falls sie ihre Positionen nicht mit Verlust verkaufen wollen. Ein ironischer Spruch, der gerne dazu gesagt wird, ob aus Überzeugung oder Illusion, ist „I’m not in for the money, but for the technology.“ 

Die Überzeugungstäter sehen fundamentale Trends auf ihrer Seite und zitieren den Technologie-Experten Roy Amara mit dem Zitat “We tend to overestimate the effect of a technology in the short run and underestimate the effect in the long run.”, um ihre Geduld zu rechtfertigen. Aber die geduldige Haltung von Investoren hat das Problem, dass, wenn sie nicht regelmäßig hinschauen, ihr Investment dahingeschmolzen ist. Man muss sich nur die Top 10 Kryptowährungen aus 2017 anschauen und schauen, ob man diese Projekte heute noch an derselben Stelle wiederentdeckt. Dadurch können auch die langfristig denkenden Investoren zum Warten verdammt werden, wohingegen ein Trader eventuell rechtzeitig  geschafft hätte seine Positionen in Cash oder Stablecoins zu wechseln. 

Der unaufgeregte Mittelweg

Wer überzeugt ist, langfristig in Krypto zu investieren und kurzfristige Kursverluste nicht beunruhigt, kann zwischen dem sturen “hodln”, investieren und riskanten YOLO-trading auch einen Kompromiss wählen, welcher beide Extreme vermeidet.

Dies ist die DCA = Dollar Cost Avergaging-Strategie. Also das regelmäßige investieren in einem Tages/Wochen/Monats-Turnus zum entsprechenden Tagespreis, statt konstant die Preise zu verfolgen. Dadurch erzielt man am Ende des Jahres einen Durchschnittspreis, der dem Median des Jahrespreises entspricht. Idealerweise plant man seine Trades mit Limit-Orders und damit der Frage „zu welchem Preis bin ich gewillt, in den jetzigen Bedingungen Coin-XYZ zu kaufen?“ Es ist zudem nützlich, seine Impulse kurz aufzuschieben, um die Gefühle zu regulieren.

Allerdings ist die Methodik erst dann stressfrei, wenn auch das entsprechende Risikomanagement verfolgt wird, indem eine voreingestellte Sell-Limit-Order einen automatisch vor dem totalen Verlust schützt, wenn die Kurse Richtung der unerträglichen Schmerzgrenze fallen.

Für jeden gibt es die richtige Strategie

Es gibt so viele Trader- und Investoren-Strategien wie es Menschen gibt, die sich an dem Kryptomarkt probieren. Bei einer Sache sind wir mit dem sonst krypto-kritischen Warren Buffett einer Meinung: Man sollte nur in das investieren, von dem man Ahnung hat. 

Daher sollten alle am Markt eine Sache gemein haben: Ein fundamentales-Grundverständnis, was Technologie und Projekte bewirken können. Genauso wichtig ist auch ein Übermaß an Skepsis. Denn wer lediglich auf bekannte Youtuber hört, die mit der Aufmerksamkeit, Vertrauen und Gutgläubigkeit der Zuschauer verdienen, und nicht seine eigene Meinung bildet, wird weder als Trader noch Investor zu seinen Finanzträumen finden.

Fundamental ist dabei ebenfalls der Umgang mit Wallets, egal, ob Hardware oder Software. Denn bei dem FTX-Debakel kam unter anderem heraus, dass Kunden nie tatsächliche Bitcoins kaufen, wenn sie diese auf FTX ließen, obwohl diese im Kundenportfolio angegeben wurden. Es bewahrheitet sich daher erneut das Mantra “Not your keys, not your coins.” Das heißt, wer keine Selbstverwahrung betreibt, kann nie sicher gehen, ob die Coins auch wirklich einem gehören.

Selbstverwahrung ist dabei nicht nur was für Investoren, denn mit jeweils Hard- und Software Wallets können auch Trader aktiv arbeiten. Denn auch wenn man seine Krypto auf verschiedene Weise verlieren kann, so sollte es nicht nur aufgrund der eigenen Fahrlässigkeit passieren, wenn man seine Keys, bzw. Seedphrase verliert oder Opfer von Kriminalität wird.

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