Author: Eric Holst

Inflation ist leider in aller Munde. In Deutschland gab es nun “gute” Nachrichten. Die Inflation “sinkt” nun auf 10,4 %. Wenn diese für die nächsten sieben Jahre bleibt, dann hätten wir von 1.000 € nur noch die Hälfte übrig.

Der Blick in Länder wie Estland mit 19 %, Argentinien 48 %, Türkei mit 84 % Inflation, oder Venezuela 1.588 % mehr Inflation als im Vorjahr, schafft ein neues Bewusstsein für Geldpolitik. Sowie darüber, wie Entscheidungen in scheinbar weit entfernten Zentralbankbüros, auf den wöchentlichen Gang zum Supermarkt auswirken.

Einfachen Bürgern hatten scheinbar zuvor keine andere Möglichkeit als sich damit abzufinden, oder das Land zu verlassen. Digitales Geld ermöglicht jedoch eine neue Form von Unabhängigkeit.

21 Millionen

Bei dem ganzen Drucken von Geld aus dem Nichts, kann man sich wundern, wie Bitcoin funktioniert.

Was hat man sich bei dessen “Geldpolitik” gedacht? Wieso werden nur 21 Millionen Bitcoins geschaffen? Kann man mit so einer “geringen” Menge Handel betreiben und Güter zahlen? Wer hat entschieden, dass die Inflation bei 1,8 % liegt und sich alle paar Jahre halbiert?

Die Knappheit ist der Grundgedanke hinter Bitcoin und die immer weniger werdenden Belohnungen sollen einen stabilen und langfristigen Anreiz schaffen, damit Miner weiter für die Sicherheit des Netzwerks sorgen. 

Das bereits knappe Gut wird noch weiter verknappt: Bis heute wurden schon 19 Millionen erschaffen, aber ein Großteil von ihnen ging bedauerlicherweise verloren!

Entweder verloren die Besitzer den Zugang zu ihren Bitcoins durch schlechtes Wallet-Management, oder sie haben ihre Bitcoins auf unprofessionellen, wenn nicht sogar dubiosen Börsen gelagert. Wie z.B, als 2018 der Gründer der kanadischen Kryptobörse Quadriga unter mysteriösen Umständen verstarb und ihm das Passwort zu den Bitcoins mit ins Grab folgte.

Insgesamt wird geschätzt, dass der Zugriff von bis zu 20 %, bzw. 4 Millionen Bitcoins nicht mehr möglich ist.

Ein Stückchen Bitcoin für alle

Ein knappes Gut ist wertvoll, aber sind 18 Millionen Bitcoin nicht viel zu wenig, um es als Zahlungsmittel zu nutzen? Und ist es überhaupt noch möglich, einen Bruchteil, einen ganzen Bitcoin oder sogar mehrere zu kaufen?

Das Wunderbare ist, dass ein Bitcoin auch eine Zahleneinheit ist. Hinter dem “1 Bitcoin”, kann man noch acht Nullen nach dem Komma setzen. Somit ist ein Bitcoin in 100 Millionen Einheiten zerlegbar. Bei der kleinsten Einheit sprechen wir von “Satoshi”, also 0,00000001 Bitcoin. 

Im Übrigen ist es nicht auszuschließen, dass sich in der Zukunft die Mehrheit des Bitcoin-Netzwerkes auf ein Update einigt, welches eine noch weitere Untergliederung ermöglicht. Im Grunde ist es jederzeit möglich, das Protokoll von Bitcoin zu verändern, doch es ist eine Frage, ob das gesamte Netzwerk solche Veränderungen unterstützt, oder ob man sich mit seiner Protokolländerung ein leeres Netzwerk schafft.

Privater Nutzen von Bitcoin

Mit dieser Teilbarkeit bietet Bitcoin einen hohen Nutzen, denn während man schlecht von einem echten Stück Gold eine Ecke abbrechen könnte, um exakt einen Cappuccino zu kaufen, geht es mit Bitcoin durchaus.

Die Transaktionsgeschwindigkeit ist mit dem Lightning-Netzwerk keine Geduldsprobe mehr, sondern eine Frage von Millisekunden.

Wer nur kurz Bitcoins hält, um schnell zwischen Länder zu überweisen, bei denen eine Banküberweisung Tage und 1%-Gebühr kostet, kann schon heute das alternative Geldsystem nutzen.

Der volkswirtschaftliche Nutzen von Bitcoin

Bitcoin war als Anti-Zentralbankgeld gedacht, um die Menschen frei von Zentralbank-staatlicher Herrschaft zu machen.

Wer überzeugt davon ist, dass Länder in der Lage sein sollen, die geldpolitischen Werkzeuge von Geld drucken und -entwertung zu nutzen, um sich im globalen Wettbewerb der Länder besser zu positionieren, wird kein Freund von Bitcoin.

Es gibt aber auch einen Weg, wie man sich näher kommt. Man muss nur auf die  Kleinstaaten schauen, die bisher von Leitwährungen abhängig waren und die obigen Werkzeuge nicht nutzen konnten. 

Wenn sie statt Zentralbankgeld nun Bitcoin nutzen, fehlt ihnen weiterhin das Werkzeug. Aber sie können ihren Bürgern, Unternehmen und Wirtschaft geldpolitische Sicherheit bieten.

Sogar ein Schritt mehr wäre erdenklich, der an den Goldstandard erinnert. 

Denn statt eine Landeswährung mit Gold zu hinterlegen, in das Bürger ihr Geld eintauschen, könnte Bitcoin die Reserve bieten, um ein wertstabiles Fiatgeld zu ermöglichen.

Dann ließe sich auch ohne Bitcoin-Code-Update schon heute ein Bitcoin-Derivat erstellen, welches noch vielfach Teilbarer wäre.

Die Zukunft wird dezentraler

Seit 2009, als Bitcoin in die Welt kam, streiten sich Bitcoin-Maximalisten mit Volkswirtschaftlern und Geldtheoretiker, was den Nutzen von Bitcoin angeht.

Fakt ist, dass Wettbewerb das Geschäft belebt. Beziehungsweise unser Verständnis von Geld und unsere Optionen, nach unseren Überzeugungen und Bedürfnissen hin zu handeln.

Niemand weiß, wie bedeutend die Kryptowährung sein wird, wenn in 120 Jahren der letzte Bitcoin geschürft wird.

Fakt ist, dass Bitcoin unser Verständnis von Geld verändert, ob durch die technischen Möglichkeiten der Blockchain, die Sinnhaftigkeit von knappen Gütern oder die Vehikel, mit denen wir Vermögenswerte vor dem Verfall sichern.

Alle, die einen ganzen Bitcoin oder nur einen Bruchteil davon anhäufen, lernen die Welt mit neuen Augen zu sehen.

Ihr habt Lust an der Diskussion zur Zukunft des Geldes? Super. Wir entwickeln derzeit die Agenda der BC23 und freuen uns über Vorschläge von Themen, Redner:innen und Unternehmen, die wir einladen können. Verlinkt sie in den Kommentaren und erzählt, wie ihr Bitcoin nutzt.

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